Amateurfußball: So planen die Landesverbände

Amateurfußball: So planen die Landesverbände

 

 

 

 

 

 

 

 

 

www.meinfussball.at:

Amateurfußball: So planen die Landesverbände

Die Herangehensweisen der neun Landesverbände, wie die Corona-Saison gewertet werden soll, sind höchst unterschiedlich.

Corona beutelt den Amateurfußball seit einem Jahr kräftig durch. Die Saison 2019/2020 wurde bekanntlich abgebrochen und annulliert. Für die aktuelle Saison sprach der ÖFB auf Basis eines Rechtsgutachtens im Sommer eine Empfehlung aus. „Wir gehen davon aus, dass diese auch rechtlich hält“, ergänzt ÖFB-Geschäftsführer Thomas Hollerer. So sollen Meisterschaften erst dann gewertet werden, wenn zumindest einmal jeder gegen jeden gespielt hat, also eine Hinrunde absolviert ist. Das soll die Mindestanforderung sein, um Meister und Aufsteiger zu bestimmen. Davon Mannschaften absteigen zu lassen, rät der ÖFB explizit ab, sofern nicht die gesamte Meisterschaft gespielt werden kann.

Dieser ÖFB-Empfehlung folgen nur zwei Verbände, alle anderen regeln ihre Spielbetriebe unterschiedlich. Ein Überblick:

Die ÖFB-Getreuen:
In Vorarlberg und in der Steiermark wird die Seuchensaison genau so abgewickelt, wie vom ÖFB empfohlen. Aufsteiger ab zumindest einer gespielten Hinrunde. Absteiger nur nach einer voll gespielten Saison.

Die Rechenkönige:
Niederösterreich und Burgenland folgen der ÖFB-Empfehlung nur dahingehend, dass zumindest eine gespielte Hinrunde für eine Wertung maßgeblich ist. Auf Absteiger wollen beide aber auch dann nicht verzichten, wenn nicht der komplette Spielplan abgewickelt werden kann. Die Tabellenendstände sollen in diesem – sehr wahrscheinlichen – Fall per Quotient errechnet werden: Anzahl der Punkte durch Anzahl der absolvierten Spiele. Die Burgenländer weichen wiederum insofern von der NÖ-Regelung ab, als die Quotienten-Regel erst zur Anwendung kommt, wenn zumindest ein Drittel der Frühjahrsspiele gespielt ist.

Was liegt, das pickt:
Kärnten geht den kompromisslosesten Weg. Alle Spiele, die gespielt wurden, die zählen auch. Hat ein Verein am Ende der Saison weniger Spiele ausgetragen als andere, hat er Pech gehabt. „Vom Prinzip her stimmt es so. Dafür werden Vereinen, so wie bei den anderen Varianten, keine bereits erspielten Punkte weggenommen“, erklärt Geschäftsführer Richard Watzke.

Die Rundenzähler:
Der Kärntner spielt dabei auf jene Variante an, die in Oberösterreich, Tirol und Salzburg Anwendung findet. Dort soll es ab zumindest einer gespielten Hinrunde Auf- und Absteiger geben. In die Tabelle fließen aber nur jene Spiele ein, die einer vollständig absolvierten Runde entstammen. Fehlt beispielsweise am Ende ein Spiel aus Runde 17, dann werden auch allen anderen Klubs ihre Punkte aus dieser Runde wieder gestrichen.
Tirol schert insofern ein wenig aus, als dass es je nach Ligagröße eine Mindestanzahl an gespielten Runden verlangt. Also z. B.: In einer 14er-Liga müssen 20 komplett gespielte Runden absolviert sein, damit der Tabellenstand bei Abbruch zur Wertung herangezogen wird. Sind es weniger, gilt die Hinrunde.

Die Aussitzer:
In Wien fiel erst im Rahmen einer Präsidiumssitzung am Dienstag (nach Redaktionsschluss) eine Entscheidung über die weitere Vorgehensweise. Die Wiener Klubs wissen also noch nicht, was ihre Siege wert sind.

Unterschiedliche Vorlaufzeiten:
Niederösterreich hat bereits eine Fünf-Wochen-Vorlaufzeit beschlossen. Heißt, dass ab dem behördlichen „Go“ für den Fußball fünf Wochen später die ersten Meisterschaftspartien angesetzt werden. Vielen andere Bundesländern reichen vier Wochen Vorbereitungszeit. Andere haben das noch nicht explizit festgelegt. „Aus meiner persönlichen Sicht sind sechs Wochen Vorbereitungszeit notwendig“, gibt Raphael Koch, Direktor des oberösterreichischen Fußballverbands, Auskunft.

Fast jeder Landesverband kocht also sein eigenes Süppchen. „Wir wollten den Landesverbänden die Möglichkeit geben, auf regionale Unterschiede besser reagieren zu können“, erklärt Hollerer, warum es vom ÖFB diesbezüglich lediglich eine Empfehlung gab. Ob jede einzelne Wertungs-Variante der Landesverbände rechtlich wasserdicht sei, kommentiert Hollerer so: „Ich bin mir sicher, dass sich alle Verbände ihre Situation überlegt haben und wissen, was sie tun.“ Aktuell ist ohnedies unklar, wann und ob es im Frühjahr wieder mit dem Amateurfußball losgehen kann.

Hollerer will Gerüchten, wonach die Politik bereits ein Verbot von Kontaktsportarten bis zum Sommer vorbereite, aber keinen Glauben schenken: „Das halte ich für kompletten Quatsch. Es gibt derzeit leider sehr viele Gerüchte. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Faktenbezug verlieren.“ Für Hollerer hält der Sport nämlich ein Argument in Händen, das mehr und mehr bedeutsam wird: „Wenn man das an Tests koppelt, dann ist das eine Chance für die Gesellschaft, die Testanzahl massiv zu erhöhen. Da kommt einiges zusammen, was uns allen in der Pandemie-Gesamtstrategie helfen kann. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass im Frühjahr gespielt wird.“